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Schweizerische Fachliteratur

Portfoliobasiertes, quantitativ-rationales PPP-Projektselektionsmodell für Bauunternehmen

Herausgeber: Institut für Bau- und Infrastrukturmanagement, ETH Zürich, 2015
Autor: Stefan Weissenböck
Seiten: 471

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Die Public Private Partnership (PPP)-Projektselektionsentscheidung in Bauunternehmen, die sich als industrielle, strategische Investoren um PPP-Projekte bewerben, erfolgt derzeit überwiegend auf Basis von qualitativen Projektbewertungen sowie subjektiven Einschätzungen der zuständigen Entscheidungsträger, da den Unternehmen der Bauwirtschaft bislang ein strukturierter, quantitativ-rationaler PPP-Projektselektionsprozess fehlt. Ganz anders stellt sich der Projektauswahlprozess bei Finanzinvestoren dar, die sich ebenso um PPP- oder Infrastrukturprojekte bewerben. Bei diesen Unternehmen ist eine starke Tendenz zur Anwendung von quantitativen Instrumenten nachweisbar, wobei vor allem die gezielte Nutzbarmachung von Diversifikationseffekten unter Anwendung der Modern Portfolio Theory (MPT) als geeignetes Mittel zur Rationalisierung von Projektselektionsentscheidungen herangezogen wird.

Trotz der grossen Bedeutung in anderen Disziplinen spielt die MPT bislang weder in der bauwirtschaftlichen Praxis noch in der baubetriebswissenschaftlichen Auseinandersetzung eine entscheidende Rolle. Diese Forschungslücke wird durch gegenständliche Dissertation geschlossen. Kern der Forschungsleistung dieser Arbeit ist daher die Entwicklung eines quantitativ-rationalen Projektselektionsmodells, das unter Berücksichtigung der MPT die Selektion von PPP-Projekten in Bauunternehmen systematisiert.

Das entwickelte PPP-Projektselektionsmodell wird unter Anwendung des Gegenstromprinzips konzeptioniert und untergliedert sich in drei Module. Modul 1 hat die „Bottom-Up“-Analyse des IST-PPP-Portfolios zum Inhalt. Modul 2 beschäftigt sich mit der „Top-Down“-Ermittlung potentiell zukünftiger Zielprojekte. Modul 3 vereint die Ergebnisse aus den Modulen 1 und 2 und führt zur eigentlichen PPP-Projektselektionsentscheidung. Um die Viabilität des PPP-Projektselektionsmodells zu gewährleisten, wird in der Modellstrukturierung die kybernetische Systemtheorie eingesetzt und jedes Modul in eine PPP-Projektebene und eine PPP-Portfolioebene untergliedert. Zur validen Ausgestaltung der einzelnen Module des PPP-Projektselektionsmodells kommen neben der MPT weitere Theorien und Methoden zur Anwendung, die entweder zur Einhaltung der Prämissen der MPT oder auf Grund der spezifischen Charakteristika von PPP-Projekten erforderlich sind. Neben der MPT kommen im PPP-Projektselektionsmodell die Risikomanagementtheorie, die Investitionsrechnung, das strategische Bauunternehmensmanagement sowie die multi-kriterielle Entscheidungstheorie unter Anwendung des Analytic Hierarchy Process (AHP) zum Einsatz.

Den Ausgangspunkt des vorgeschlagenen PPP-Projektselektionsprozesses bildet Modul 1 – Analyse des IST-PPP-Portfolios. Hierbei werden zunächst auf der PPPProjektebene die Renditen und die Risiken – die gemeinsam die wesentlichen Parameter bei Anwendung der MPT bilden – für einzelne PPP-Bestandsprojekte berechnet. Die Berechnung der Risikokosten erfolgt dabei auf Basis eines für das PPP-Projektselektionsmodell konzeptionierten Risikomanagementprozesses unter Anwendung von Monte Carlo Simulationen (MCS). Die berechneten Renditen und Risiken der einzelnen PPP-Bestandsprojekte münden schliesslich „Bottom-Up“ in die Portfoliorendite und das Portfoliorisiko des IST-PPP-Portfolios. In Modul 2 – Ermittlung potentiell zukünftiger Zielprojekte – werden ausgehend von der strategischen Ausrichtung des Bauunternehmens Zielländer und Zielmärkte (marktorientierter Ansatz) sowie Randbedingungen (ressourcenorientierter Ansatz) für die PPP-Projektselektion definiert. Die auf dieser Basis vorausgewählten, potentiell zukünftigen Zielprojekte werden in weiterer Folge „Top-Down“ durch Rendite- und Risikoprognosen quantifiziert. Die eigentliche PPP-Projektselektionsentscheidung erfolgt dann in Modul 3 unter Einsatz der AHP-Methode. Um die PPP-Projektselektionsentscheidung treffen zu können, werden die Rendite- und Risikoverläufe der PPP-Bestandsprojekte (Modul 1) und der potentiell zukünftigen Zielprojekte (Modul 2) auf der PPP-Projektebene zusammen geführt. Die Auswahl desjenigen potentiell zukünftigen Zielprojektes, bei dem der Akquisitionsprozess eingeleitet werden soll, erfolgt schliesslich auf der PPP-Portfolioebene. Ausgewählt wird dabei dasjenige Zielprojekt, welches den multi-kriteriellen Zielkonflikt einer möglichst hohen Portfoliorendite bei gleichzeitig möglichst geringem Portfoliorisiko am besten auflöst.

Nach der theoretischen Formulierung des PPP-Projektselektionsmodells erfolgt der Nachweis der Realisierbarkeit in Form eines praxisnahen und aufeinander aufbauenden Beispiels. In diesem wird die praktische Umsetzung der drei Module des PPPProjektselektionsmodells exemplarisch dargelegt.

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