Kurt Signer

Das Lebenszyklusmodell ist ein wegleitender PPP-Kerngedanke für die Weiterentwicklung des Immobilienmanagements der öffentlichen Hand.

Medienmitteilungen

Praxisleitfaden erleichtert Umsetzung von PPP-Modellen

24.01.2012

Christophe Reymond, Generaldirektor des Veranstalters zeigte sich eingangs davon überzeugt, dass die Finanzlage der öffentlichen Hand die Kooperation zwischen Verwaltungen und Privaten zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben begünstige, sofern Vorhaben realistisch, offen und professionell analysiert und angegangen werden. Das Centre Patronal als Wirtschafts-Dachorganisation in der Westschweiz wollte mit der Veranstaltung Unternehmer dazu anregen, die Umsetzung von Vorhaben mit dem PPP-Modell vermehrt zu prüfen.

Kosten über Lebenszyklus entscheidend

Lorenz Bösch, Präsident des Vereins PPP Schweiz erinnerte in seinen Ausführungen daran, dass Infrastrukturen nicht nur Investitionen auslösen, sondern nach ihrer Realisierung auch laufende Kosten verursachen. Diese würden oft unterschätzt. Das PPP-Modell setzt auf die Optimierung der  Kosten über einen gesamten Lebenszyklus. Es ist die heute einzige Methode, die finanzielle Anreize so setzt, dass die beteiligten Partner gezwungen sind, die Risiken eines Lebenszyklus und damit deren Kosten zu optimieren. Dazu kommt, dass PPP-Projekte wie alle auch andern Vorhaben nach demokratischen Spielregeln beschlossen und transparent dargestellt werden müssen, wenn sie Zustimmung finden wollen.

Leitfaden erleichtert Umsetzung eines PPP

Der „Praxisleitfaden PPP Schweiz Hochbau“ zeigt nach Urs Bolz, Projektleiter und Präsident des Expertennetzwerks des Vereins PPP Schweiz, wie PPP-Modelle in der Schweiz konkret abgewickelt werden sollten. Dazu haben rund 80 Fachleute aus der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft und der Wissenschaft die Erkenntnisse aus dem Neubau des Kantonalen Verwaltungszentrums Neumatt in Burgdorf (BE), dem ersten PPP-Projekt in der Schweiz nach internationalem Standard, analysiert, weiterentwickelt und zum Leitfaden für die Praxis verdichtet. Der Leitfaden bietet Hand in den Bereichen Vorbereitung, ergebnisorientierte Leistungsbeschreibung, Vergabeverfahren, Finanzierung, Vertragsgestaltung, Steuern, öffentliche Finanzen, Bietersicht und politischen Entscheidungsfindungsprozess. Die Planung und Analyse möglicher PPP-Vorhaben lohne sich für alle Beteiligten auch dann, wenn die Projekte letztlich nicht als PPP realisiert würden.

Politischer Wille für PPP in der Westschweiz vorhanden

Auf öffentlicher Seite besteht, angesichts knapper werdender Mittel bei steigenden Infrastruktur-Anforderungen an den Staat, die Bereitschaft zur Kooperation mit Partnern, auch wenn derzeit seitens des Kantons kein eigentliches PPP-Vorhaben geplant ist. Dies unterstrich Pascal Broulis, Waadtländer Regierungspräsident, in seinen Ausführungen und wies auf verschiedene unterschiedliche Vorhaben in der Waadt und der französischen Schweiz hin, die diskutiert werden. Im Kanton Waadt sind bis 2020 Investitionen von nicht weniger als 12,7 Milliarden Franken identifiziert, die umgesetzt werden sollten. Gemäss Pascal Broulis ist deren Umsetzung ohne Kooperationen unmöglich.

Auch in Lausanne sind aktuell verschiedene Projekte in Prüfung, die realisiert werden könnten, betonte Olivier Français, Baudirektor der Stadt Lausanne und Nationalrat. Er verwies auf Beispiele wie das Projekt „métamorphose“ und verschiedene multifunktionale Anlagen. Der nun vorgelegte Praxisleitfaden erleichtere die nähere Prüfung der Vorhaben auf ihre Eignung hin und könnte bei deren allfälligen Realisierung eine wichtige Hilfe darstellen. Bis dies allerdings soweit ist, sind die nun vorliegenden ersten Erkenntnisse aus der Praxis anzuwenden und die Vorhaben weiter voranzutreiben.

Die Umsetzung des Vorhabens in Burgdorf aus Sicht des privaten Partners wurde von Touraj Etezady, Managing Director bei Marti Invest AG und Verwaltungsrat der Zeughaus PPP AG, skizziert, die 2009 den Bieterwettbewerb gewonnen hatte. Die Zeughaus PPP AG wurde von der niederländischen Royal BAM Group und der Marti Baugruppe gegründet; sie realisiert den Neubau mit einer Hauptnutzfläche von 16'800 m2  und einem Investitionsvolumen von 150 Mio. Franken innerhalb von zwei Jahren bis Ende März 2012. Als neue Chancen bezeichnete Etezady die mit dem Projekt verbundenen, langfristigen Verträge, das neue Geschäftsfeld, das mit dem PPP-Modell erschlossen werden konnte, das nachhaltige Ressourcenmanagement und die optimale Risikoallokation.

Auch aus Sicht von Pascal Bärtschi, Direktor Westschweiz der Losinger Marazzi AG, eröffnet das PPP-Modell der Privatwirtschaft, aber auch der Verwaltung neue interessante Kooperationsfelder. Die in der Westschweiz stark präsente Unternehmensgruppe hat sich dank der Bouygues-Gruppe im Ausland praktische PPP-Erfahrung angeeignet und ist ihrerseits interessiert, PPP-Vorhaben auch in der Schweiz umzusetzen. Aktuell prüft sie verschiedene konkrete Vorhaben im Raum Lausanne. Gemäss Bärtschi ist der neue Denkansatz, den ganzen Lebenszyklus von Projekten zu betrachten, entscheidend. Er ist es, der dem PPP-Modell neue Chancen und Möglichkeiten in den helvetischen Breitengraden eröffnen wird.

 

Weitere Informationen

Lorenz BöschPräsident Verein PPP Schweiz079 426 54 19
Urs BolzProjektleiter Praxisleitfaden
079 471 77 11
Heinz GutGeschäftsführer Verein PPP Schweiz079 400 57 09

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