Sven Rump

PPP ist eine liberale Denkweise, die die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft sinnvoll verflechtet. Dadurch wird die Staatsquote tendenziell reduziert.

Medienarchiv - PPP in der Presse

Pöstler erhalten Lizenz zum Schnüffeln

Die Post will bei der Volkszählung 2010 eine Schlüsselrolle einnehmen. Briefträger sollen dabei helfen, Personen dem richtigen Haushalt zuzuordnen. Erste Verträge mit den Kantonen Zürich, Basel-Stadt und Luzern sind perfekt.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 mussten Herr und Frau Schweizer noch seitenlange Fragebogen ausfüllen. Bei der nächsten grossen Zählübung, der Volkszählung 2010, ist dieses Vorgehen Geschichte. Im Vordergrund der Erhebung unter der Federführung des Bundesamtes für Statistik (BfS) steht diesmal die Nutzung von Daten aus amtlichen Registern.

Das Problem: Damit die statistischen Erhebungen durchgeführt werden können, muss das eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister neu angelegt werden. Jede Wohnung erhält einen «eidgenössischen Wohnungsidentifikator», kurz Ewid, zugewiesen. Anschliessend muss das Gebäude- und Wohnungsregister mit den Einwohnerregistern der Gemeinden und Kantone und dem Bundespersonenregister abgeglichen werden. Das Ziel ist, jede Person dem richtigen Haushalt zuzuordnen.

Ernüchternder Pilot

Das ist Knochenarbeit. Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, hat eine Piloterhebung in der Gemeinde Köniz im Jahr 2005 beunruhigende Ergebnisse gezeigt. 1439 Personen, die im Einwohnerregister aufgeführt waren, konnten einer Wohnung zugewiesen werden. 17 laut Register gemeldete Personen waren keiner Wohnung zuzuweisen. Dafür wurden gut 100 Personen festgestellt, welche laut Mieterliste, Klingel- oder Briefkastenbeschriftung im Quartier wohnten, ohne dass sie bei der Einwohnerkontrolle gemeldet waren. Das ergibt eine Abweichung von 8 Prozent. Auch beim Wohnungsregister zeigten sich in Köniz Mängel. Fünf Wohnungen waren nicht registriert, in einem andern Haus dafür sechs Wohnungen zu viel aufgeführt.

Briefträger-Wissen gefragt

Dem BfS wurde deshalb rasch klar, dass die flächendeckende Einführung einer Wohnungsnummer aufwändig und technisch und organisatorisch komplex ist. Das Statistikamt suchte deshalb im Rahmen einer sogenannten Public Private Partnership (PPP) die Kooperation mit der Post.

Die Idee dahinter: Erstens verfügt die Post durch ihren Grundversorgungsauftrag über umfassendes Datenmaterial zur Postzustellung, zweitens kennt die Post dank der Tätigkeit in der Zustellung die lokalen Besonderheiten. Die örtlichen Briefträger – sie sind für den Abgleich vor Ort vorgesehen – wissen meist besser Bescheid, wer in welcher Wohnung wohnt, als das zuständige Amt. Heikel könnte die Kooperation Post–öffentliche Hand dort werden, wo der Datenschutz berührt wird.

Trotzdem: Die Post hat am Projekt Gefallen gefunden. Jedenfalls wird im Konzernbereich Strategische Kunden und Lösungen (SKL) seit Ende 2007 mit Hochdruck gearbeitet. Laut Projektunterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, fiel Ende August 2008 der definitive Entscheid für die Umsetzung.

Drei grosse Kantone dabei

Frank Marthaler, Konzernleitungsmitglied und bei der Post zuständig für den Bereich SKL mit über 7000 Mitarbeitenden, kann seinen Stolz darüber nicht verbergen, dass die Post bei der Volkszählung 2010 einen aktiven Part einnimmt. «Wir waren das letzte Mal dabei, als die Zählung noch papierbasiert erfolgte. Und nun, zehn Jahre später, sind wir in eine vollelektronische, registerbasierte Erhebung mit einbezogen.» Das zeige, wie stark sich die Post in den letzten zehn Jahren technologisch weiterentwickelt habe. Marthaler bestätigte auf Anfrage, dass die Kantone Zürich, Basel-Stadt und Luzern Absichtserklärungen mit der Post abgeschlossen haben. Die Post will ihre Dienste jetzt weiteren Kantonen, Städten und grossen Gemeinden anbieten. Im optimalen Fall rechnet die Post laut Projektunterlagen damit, für 4 Millionen Personen die Ewid-Zuweisung vorzunehmen; Gewinn bringend wird das Projekt ab 1,7 Millionen Personen.

Bei der Post rechnet man mit Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich. Und so ist für Marthaler die erfolgreiche Umsetzung des Projekts «eines der drei wichtigsten unseres Konzernbereichs». Dabei geht es nicht bloss um Geld. Die Übung ist für die Post eine gute Gelegenheit, um sich hinsichtlich zukünftiger E-Governement-Lösungen rechtzeitig in Position zu bringen. (Link zum Originalbeitrag)

Autoren:Peter Jost
Quellen:Berner Zeitung

Zurück