Dr. Urs Bolz

PPP begünstigt nachhaltige Lösungen in öffentlichen Infrastrukturen.

Fachliteratur / Studien - Schweiz

Entwicklung eines Manuals für Public Private Partnership Verfahren im Hochbau in der Schweiz

In seiner Masterarbeit am Center for Urban & Real Estate Management (CUREM), Zürich, entwickelt Daniel Züger ein Manual, welches die Wirkungszusammenhänge während der Dauer einer PPP darstellt. Den schweizerischen Gegebenheiten wird dabei besonders Rechnung getragen. Das übergeordnete Ziel der Arbeit ist es, zur objektiven Wahrnehmung von PPP als Innovations-, Wissens- und Managementpartnerschaft beizutragen.

Die gesamte Masterarbeit kann untenstehendem Attachment entnommen werden.

Auszüge aus der Arbeit:

Aufbau der Arbeit:

PPP Hochbau Manual

1 Einleitung

Die vorliegende Forschungsarbeit leistet einen Beitrag zum Thema Public Private Partnership als Beschaffungsvariante der öffentlichen Hand in der Schweiz. Der Fokus liegt auf der umfassenden Illustration der Wirkungszusammenhänge während der Dauer einer Öffentlich Privaten Partnerschaft, wie PPP im deutschsprachigen Raum auch genannt wird. Die Entflechtung der teilweise komplexen Zusammenhänge ermöglicht die umfassende Betrachtung des Partnerschaftsmodells. Als übergeordnetes Ziel der Arbeit steht ein Beitrag zur objektiven Wahrnehmung von PPP als Innovations-, Wissens- und Managementpartnerschaft.

1.1 Ausgangslage und Forschungsziel

In den letzten Jahren folgt die Schweiz der weltweiten Tendenz und vor allem der Entwicklung der umliegenden europäischen Länder. Als Bestandteil der umfassenden Diskussion um die Aufgabenerfüllung des Staates steht das Beschaffungswesen häufig im Mittelpunkt der Diskussion. Die Entwicklung von PPP konzentriert sich dabei hauptsächlich auf den öffentlichen Hochbau. Diverse Projekte wurden aus Überzeugung für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit als PPP bezeichnet. Im Findungsprozess für PPP-Verfahren in der Schweiz sind jedoch häufig aus Gründen der medialen Beachtung Projekte entsprechend betitelt worden. Mit einer Grundlagenstudie wurde im Jahre 2005 das Thema lanciert und dabei auch das Potential von PPP im Hochbau als beträchtlich eingestuft. Ab dem Jahr 2006 wurde durch die Gründung und Tätigkeit des Vereins PPP Schweiz eine koordinierte und sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt. Parallel dazu wurde die Notwendigkeit nachhaltiger Konzepte im Hochbau erkannt und ist in Umsetzung begriffen. Damit untrennbar verbunden ist die ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus einer Immobilie. PPP als Modell zwingt die Mitwirkenden zu dieser übergeordneten Sichtweise. Die gegenseitigen Auswirkungen der einzelnen Lebenszyklusphasen sind von grossem Interesse und müssen unter den Partnern thematisiert werden. Diese Betrachtungsweise entspricht in hohem Masse dem Nachhaltigkeitsgedanken. Das Forschungsziel der vorliegenden Arbeit ist ein Manual für PPP-Projekte im Hochbau in der Schweiz. Obwohl die Eigenschaften von PPP im Grundsatz definiert sind, spielen nationale Gegebeneinheiten eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund erfolgt ein Abgleich der bestehenden Normen und Empfehlungen des SIA5 mit dem Manual. Die Notwendigkeit der Prozessstandardisierung zeigt sich in der Bauwirtschaft besonders deutlich und gilt bei PPP als kritischer Erfolgsfaktor. Die einzelnen Projekte sollten nicht alle als Individuallösungen betrachtet werden. Ein strukturierter und standardisierter Ablauf lenkt die Kreativität hin zum Resultat. Das Manual ist ein Instrument für die vereinfachte Handhabung der Projekte und damit effizientere Anwendung von PPP im öffentlichen Hochbau.

6 Interpretation und Würdigung der Ergebnisse

Die Schlussbetrachtung umfasst die bedeutenden Merkmale des Manuals sowie eine Reflexion der Forschungsfragen. Einige Erkenntnisse aus der Thesis werden gestrafft wiedergegeben. Die Erarbeitung des Modells hat neben Lösungen und neuen Erkenntnissen auch viele neue Fragen aufgeworfen. Diese sollen im letzten Kapitel eingebracht werden um einen Anstoss für weitere Untersuchungen zum Inhalt oder Thema zu geben.

6.1 Wichtige Merkmale des Manuals

Wichtiger Punkt ist die Eingrenzung auf die Projekt-PPP. Für strategische Planungen unabdingbar ist das Organisationsmodell, was aber mit dem vorliegenden Manual nur teilweise abgedeckt werden kann. Auch sind die Zusammenhänge für eine strategische Planung zu individuell, als dass sie in einem Muster ähnlich dem Projekt-PPP abgebildet werden können. Diese Wichtigkeit dieser Begrenzung kam auch in den Interviews zum Ausdruck. Einige Projekte scheiterten in jüngster Vergangenheit, weil zu viele Partikularinteressen in einem Organisationsmodell vereint wurden. Die Nachvollziehbarkeit und damit die Vermittlung an die Öffentlichkeit waren somit nicht mehr gegeben, was die Projekte zum Scheitern brachte. Der bereits formulierten These wird dadurch Nachdruck verliehen, dass für Beschaffungen im Hochbau die reine Form von Projekt-PPP bis zu einer gewissen Etablierung angewandt werden sollten.

6.2 Reflexion der Forschungsfragen

Mit dem Modell allein können die Transaktionskosten nicht im gewünschten Masse reduziert werden. Jedoch hat sich gezeigt, dass der Bedarf nach Information immens ist. Mit wachsendem Verständnis für das Modell steigt auch die Akzeptanz und die Beschaffungsvariante wird sich neutraler vermitteln lassen. Mit steigender Expertise der Projektbeteiligten und Entscheidungsträgern sinken die Transaktionskosten merklich. Eine Quantifizierung der Einsparung der Transaktionskosten lässt sich an dieser Stelle nicht vornehmen. Zukünfte Projekte nach schweizerischen Gegebenheiten werden einen Vergleich auch mit den ausländischen Beispielen zulassen. Das grösste Sparpotential bei den Transaktionskosten liegt in der Anpassung des Beschaffungsrechts, welche unmittelbar im Modell abgebildet würde.

Das Manual ist ein Instrument für die vereinfachte Handhabbarkeit der Projekte und damit die effizientere Anwendung von PPP im öffentlichen Hochbau. Die Beantwortung von Forschungsfragen löst oft auch Kontroversen aus und ist Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen. In den Interviews zum Thema kam dieses Spektrum zum Vorschein. Einige Unklarheiten wurden dadurch bereinigt und Ansatzpunkte für die Weiterbearbeitung, sowie zusätzlicher Bedarf nach Erläuterungen zum Forschungsresultat gefunden.

6.3 Weiterer Forschungs- und Handlungsbedarf

Ein beträchtlicher Forschungsbedarf besteht in diversen Teilgebieten von PPP. So stellt sich die zentrale Frage der Risikoallokation unter den Vertragspartnern. In naher Verwandtschaft zur Projektentwicklung sind die Risiken zu benennen und einem Vertragspartner zuzuordnen. Eine bisher ungelöste Aufgabe ist die gezielte Erfassung und vor allem Bewertung der Risiken nach einem definierten Raster.

Im Bereich der Finanzierung wird heute die Projektfinanzierung in den Mittelpunkt gerückt. Nachdem die Forfaitierung massiv an Attraktivität verloren hat und vom Auslober häufig gar untersagt ist, werden neue Finanzierungsansätze gesucht. Nachdem die Banken teilweise die Finanzierungsrisiken getragen hatten, rückt die Kapitalbeschaffung über REITS und Fonds in den Fokus. Dabei relevant sind die rechtlichen Begebenheiten in der Schweiz vor allem im Rahmen des neuen Kollektivanlagegesetz KAG. Interessant wäre die Machbarkeit eines Fonds für Privatanleger worin das Stimmvolk ein von ihm bewilligtes PPP-Projekt refinanzieren kann. Der Kreis der Steuergelder würde damit geschlossen.

Allgemein hat sich im Verlaufe der Arbeit die Erkenntnis ergeben, dass in den letzten zwei bis drei Jahren enorm viel Grundlagenarbeit geleistet wurde, welche sich oftmals überschneidet oder sogar identische Züge aufweist. Für weitere Forschungsfragen sind detailliertere Projektinhalte wie sie das Manual aufzeigt geeignet. Noch gering Dokumentiert ist die Vertragsbeendigung einer PPP. Aufgrund der fehlenden Praxisbeispiele würde hier ein theoretischer Ansatz eine ausgezeichnete Grundlage schaffen. Im heutigen Zeitpunkt konzentriert sich alles auf die Frage wie PPP bestmöglich Umgesetzt werden kann. Eine Evaluation über die Vorstellungen der Beendigung eine PPP bei den Protagonisten von heute ergäbe mit Sicherheit interessante Aufschlüsse. Allenfalls können Parallelen zur in der Schweiz traditionsreichen Vergangenheit der Baurechte gezogen werden.

Mit der wünschenswerten Einführung eines Sonderverfahrens für komplexe Projekte auf kantonaler Ebene müsste eine Anpassung des Modells vorgenommen werden. Jedoch könnte schon zum heutigen Zeitpunkt mit der Abbildung des Verhandlungsverfahrens auf Bundesebene eine Variante des Modells ausgearbeitet werden.

Referenz

Autoren: Daniel Züger
Quellen: Urban & Real Estate Management (CUREM), Zürich

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