Dr. Urs Bolz
PPP begünstigt nachhaltige Lösungen in öffentlichen Infrastrukturen.
PPP können dank Synergieeffekten die Projektkosten senken. Um diesen Vorteil jedoch zu realisieren muss das Kommunikationsmanagement den Informations- sowie den Wissenstransfer zwischen den am Projekt beteiligten Personen gewährleisten.
Intention
Wesentliche Motivation bei PPP-Projekten ist es, Infrastrukturprojekte
Ressourcen schonend zu realisieren. Als besonders wichtige Faktoren
wurden hierbei die Lebenszyklusbetrachtung, die integrierte Planung und
die Reduktion von Schnittstellen in Form von Synergieeffekten erkannt.
Ein wesentlicher Aspekt bei der Realisierung der Synergieeffekte ist die
Implementierung eines effektiven und effizienten Kommunikations- und
Schnittstellenmanagements bis in die ersten Jahre der Betriebsphase
hinein, weil eine Vielzahl an Personen direkt oder indirekt am Projekt
beteiligt ist.
3-Phasen-Modell
Wie alle Projekte durchlaufen auch PPP-Projekte verschiedene Phasen, die
mit Umstrukturierungen einhergehen. Insbesondere bei einem Wechsel von
verantwortlichen Personen ist es wichtig, dass der Informations- und
Wissenstransfer kontinuierlich sichergestellt ist. Für die weiteren
Erläuterungen gliedern wir PPP-Projekte in 3 Phasen.
Phase 1 beinhaltet die Konzeption, Ausschreibung und Vergabe. Alle
strategischen Entscheidungen für das PPP-Projekt werden in dieser Phase
getroffen. Die öffentliche Hand begleitet das Projekt kontinuierlich und
bildet zu diesem Zweck meistens eine Projektgruppe. Diese wird ggf.
durch Nutzer und rechtliche, wirtschaftliche und technische Berater
ergänzt.
Phase 2 beinhaltet mit Planung und Bau die Projektrealisierung durch den
privaten Partner. Mit der operativen Umsetzung kann ein Wechsel der
verantwortlichen Personen erfolgen, da mit der Zuschlagserteilung die
Aufgabe der Projektgruppe beendet ist.
Phase 3 beginnt mit der Inbetriebnahme. Bei komplexen Nutzerstrukturen
und einem Dienstleistungsanteil über das reine Gebäudemanagement hinaus
steigt die Anzahl betrieblicher Schnittstellen.
Interessenlage der Beteiligten
Ein gut funktionierendes Kommunikations- und Schnittstellenmanagement
ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei umfassenden Projekten. Die
Projektverantwortlichen bestimmen die Informations- und
Kommunikationsbedürfnisse der Projektbeteiligten und entwickeln einen
Kommunikationsmanagementplan. Dieser regelt beispielsweise Art, Umfang,
Detaillierungsgrad und Häufigkeit von Sitzungen und Projektdokumenten.
Bei PPP-Projekten richten sich die Kommunikationsbedürfnisse im
Wesentlichen nach der Gruppe der Beteiligten. Diese sind die öffentliche
Hand, der private Partner und die Gruppe der Nutzer.
In der Regel wünschen alle Beteiligten eine klare und direkte
Kommunikation. Aus dem gleichen Bedarf sind jedoch unterschiedliche
Anforderungen abzuleiten.
Informationsfluss und Wissenstransfer
Bei PPP-Projekten wird die Grundlage für das Kommunikationsmanagement in
einer frühen Phase geschaffen. In den Ausschreibungsunterlagen ist das
geforderte Leistungsbild für einen langen Zeitraum, meist 25 Jahre,
abstrakt darzustellen. In Bezug auf den Kommunikationsmanagementplan
sind die primären Ziele die Gewährleistung von Informations- und
Wissenstransfer. Die entsprechenden Werkzeuge müssen in den
Ausschreibungsunterlagen gefordert werden.
Um sich Klarheit über die Projektumsetzung durch den privaten Partner zu
verschaffen, sollten in den Angeboten Konzepte eingefordert werden, die
Aufschluss über die Gewährleistung des Informations- und
Wissenstransfers bei Phasenübergängen und Austausch von verantwortlichen
Personen gibt. Eine zweite wichtige Forderung der
Ausschreibungsunterlagen ist ein adäquates durchgängiges Berichtswesen
in allen Projektphasen. Das dritte Werkzeug ist der Einsatz technischer
Hilfsmittel, wie z.B. speziell eingerichtete Internetplattformen.
Die dargestellten Werkzeuge des Kommunikationsmanagements namentlich
kontinuierliche Personalstruktur, Berichtswesen und technische
Hilfsmittel treffen auch auf die öffentliche Hand als Auftraggeber zu.
In den Phasen 1 und 2 stehen insbesondere die Organisation einer
schlagkräftigen Projektgruppe im Mittelpunkt, die das Projekt
kontinuierlich begleiten und dokumentieren. Der Informations- und
Wissenstransfer in der Projektgruppe ist zu planen und zu organisieren.
Insbesondre in den Phasen 2 und 3 ist die Verfügbarkeit der öffentlichen
Hand als Ansprechpartner relevant. Hierbei hat es sich als günstig
erwiesen, dass diese Ansprechpartner von Beginn an verantwortlich am
Projekt beteiligt waren. (Quelle: Ernst
& Young Public Services Newsletter Nr. 87, März 2008)