Guido Grütter

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PPP-News

Fatales Systemversagen beim Einsturz der Autobahnbrücke in Genua

24.08.2018

Der Brückeneinsturz in Genua beschäftigt und ruft nach Erklärungen. Aber Vorsicht vor raschen Schlussfolgerungen und Schuldzuweisungen. Lorenz Bösch, Präsident des Vereins PPP Schweiz hat dazu eine persönliche Stellungnahme verfasst.

 

Persönliche Stellungnahme zum Brückeneinsturz vom 14. August 2018 in Genua

Fatales Systemversagen beim Einsturz der Autobahnbrücke in Genua

Der Brückeneinsturz in Genua ist katastrophal und wäre mit einiger Sicherheit zu verhindern gewesen. Es ist zu hoffen, dass die Ursachen gründlich und fair aufgearbeitet werden. Voreilige Schlussfolgerungen und Schuldzuweisungen sind gefährlich. So auch jene, dass mit dem Brückeneinsturz belegt sei, dass es ein zu hohes Risiko bedeute, staatliche Infrastrukturen durch private Unternehmen erstellen und betreiben zu lassen.

Bis jetzt wissen wir, dass erstens die Brücke vor rund 50 Jahren erstellt worden ist und ihren Zweck erfüllt hat. Vor 50 Jahren war der Bau dieser Brücke eine respektable Ingenieurleistung. Die Brücke würde zwar heute nicht mehr so gebaut, weil in der Zwischenzeit der Brückenbau gelernt hat und auch von Fortschritten in der Materialwissenschaft profitieren kann. Zweitens wissen wir, dass vor kurzem Experten des Betreiberunternehmens und der für die Aufsicht verantwortlichen staatlichen Stellen gemeinsam erhebliche Korrosionsschäden am Bauwerk feststellten. Diese Feststellungen haben jedoch offensichtlich nicht zur Anordnung und Ausführung von angemessenen, dringlichen Massnahmen geführt. Damit wird deutlich, dass ein eigentliches Systemversagen vermutet werden muss. Sowohl der private Betreiber wie auch die staatliche Aufsicht haben nicht angemessen auf die fatalen Feststellungen reagiert. Es gehört zur Verantwortung der privaten Betreiber wie der staatlichen Aufsicht, dass ältere Infrastrukturbauwerke besonders kritisch begleitet werden und deren Sanierung oder Ersatz rechtzeitig geplant werden. Daraus abzuleiten, dass das schreckliche Ereignis hätte verhindert werden können, wenn die Infrastruktur durch den Staat erstellt und betrieben worden wäre, ist nach dem bisherigen Wissen voreilig. Eher ist anzunehmen, dass sowohl der private Betreiber wie die staatliche Aufsicht angesichts des nun herrschenden Verkehrschaos in Genua vor dem Unmut der Betroffenen zurückgeschreckt sind, der ihnen mit dem Anordnen von adäquaten, aber unausweichlich verkehrsbeschränkenden Massnahmen entgegengeschlagen hätte. Die Chance von öffentlich-privaten Partnerschaften liegt gerade darin, dass die Betreiberverantwortung klar von der Aufsichtsverantwortung getrennt ist, was zum Vorteil der Qualität der Infrastrukturaufgabe genutzt werden muss. Es ist zu hoffen, dass die Untersuchungen eines Tages Erkenntnisse zur Verbesserung der Systemsteuerung liefern.

Weitere Informationen:

Lorenz Bösch, Präsident Verein PPP Schweiz
Heinz Gut, Geschäftsführer Verein PPP Schweiz


Tel. 079 426 54 19
Tel. 079 400 57 09

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