Doris Haldner

Das PPP-Pilotprojekt Neumatt in Burgdorf ist ein grosser Erfolg.

PPP-News

Das Züri-Velo kommt ins Rollen

21.06.2017

Nach einem Boxenstopp vor Bundesgericht kann nun das Veloverleihsystem in Zürich umgesetzt werden.

Wenn alles nach Plan geht, können ab nächstem Mai in der Stadt Zürich an vorerst 35 Standorten rund 500 Fahrräder ausgeliehen werden. Etappenweise wird das Angebot dann auf 2250 Fahrräder an 150 Stationen ausgebaut. Sie werden die City, Altstetten, Wipkingen und Oberstrass, das Seefeld und Wollishofen sowie Oerlikon, Affoltern und Schwamendingen abdecken. Damit bekommt die Stadt Zürich mehr als drei Jahre nach dem konkreten Planungsstart endlich ihr Züri-Velo.

Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) meinte an der gestrigen Medienkonferenz: «Es ist halt so in der Stadt Zürich, alles ist umstritten und dauert daher lange.» Grund der Verzögerung war ein Rechtsstreit rund um die Vergabe. Eine nicht berücksichtigte Mitbieterin hatte Beschwerde eingereicht und diese bis vor Bundesgericht gezogen. Das oberste Gericht hat zwar noch nicht entschieden, doch der Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen. «Damit können wir endlich loslegen», sagte Leuten­egger, der sich auch sofort auf eines der – vorerst noch – auberginenfarbenen Velos schwang. Demnächst wird der Vertrag unterschrieben, dann geht es in die Detailplanung, die auch die Farbe der Fahrräder festlegt: «Sicher irgendwie blau», mutmasste Leutenegger.

Den Zuschlag bekam Publibike, ein Tochterunternehmen von Postauto und Marktführerin im Bikesharing. Vor einigen Tagen hat auch die Stadt Bern mitgeteilt, dass sie mit Publibike einen Veloverleih aufzieht – sogar in etwas grösseren Dimensionen als Zürich: flächendeckend, 2400 Fahrräder, 200 Ausleihstationen. Laut Publibike-Geschäfts­führer Bruno Rohner hat der nervenzehrende Rechtsstreit auch sein Gutes gehabt: «Wir konnten das Angebot den neusten Entwicklungen anpassen.» So wird auf die steigende Nachfrage nach E-Bikes reagiert: Die Hälfte der Züri-Velo-Flotte wird einen Elektroantrieb haben, der eine Geschwindigkeit bis zu 25 Stundenkilometer unterstützt. Die Akkus werden mit Ökostrom geladen.

Jahresabo für 50 Franken

Die Züri-Velos sind laut Rohner eigentliche Stadtvelos. «Sie sind nicht darauf angelegt, dass man damit 20 Kilometer zurücklegt.» Sie verfügen über 20-Zoll-Räder mit 55 Millimeter breiten Ballonreifen – damit besteht keine Gefahr, dass man in die Tramschienen gerät. Sie können an einer Station ausgeliehen und an einer anderen abgestellt werden. Ein Thema sei auch «Freefloating» – die Möglichkeit, das Velo, wo immer man will, stehen zu lassen. Doch sei dies noch Zukunftsmusik. Auch soll es künftig möglich sein, ein Velo zu reservieren.

Mit 50 Franken ist man ein Jahr lang dabei und bezahlt jeweils für ein normales Velo die ersten 30 Minuten nichts, für das E-Bike 3.50 Franken. Wer sich nur hin und wieder aufs Züri-Velo schwingen will, löst kein Abo und bezahlt 3 Franken bis 30 Minuten (4.50 Franken für ein E-Bike) und 20 Franken für 24 Stunden (E-Bike 40 Franken). Für die Ausleihe muss man sich registrieren, danach kann das Velo mittels einer App auf dem Handy oder einer mit einem Chip versehenen Karte wie etwa des Swiss Pass ausgelöst werden. Betrieb und Unterhalt übernehmen die Sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt.

Der Stadt Zürich entstehen keine Betriebskosten, denn Züri-Velo wird über Sponsorenbeiträge und Kundeneinnahmen finanziert. Hauptsponsor ist die Zürcher Kantonalbank. Allerdings muss die Stadt an gewissen Orten Land für die Velostationen zur Verfügung stellen, wobei hier Publibike auch Kooperationen mit Privaten eingehen wird. Laut Stadtrat Leutenegger ist das Interesse bei grösseren Firmen vorhanden, möglichst nahe eine Velostation zu haben.

Quelle: www.tagesanzeiger.chAutorin: Helene ArnetDatum: 21. Juni 2017

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